Wie ich den SM sehe

SM ist für mich kein Rollenspiel, denn Rollen sind gespielte Fremdcharakteren. SM ist bei mir ein inneres Bedürfnis. Meine Dominanz ein Charakterzug. Es ist ein Teil von mir, welcher mir recht wichtig geworden ist. Genauso wie die Dominanz ein Wesenszug meiner Person ist, sollte mein SM-Partner die Devotheit als Teil seiner Person wissen. Beim Devoten muss das natürliche Bedürfnis zu dienen, sich einer Person in Vertrauen auszuliefern, die Bereitschaft sich unterzuordnen, gehorsam zu üben und Konsequenzen zu tragen, Erniedrigungen zu erdulden gegeben sein. Erst dann passen die beiden sich diametral gegenüberstehenden Bedürfnisse wie zwei Puzzleteile perfekt zueinander.

Oft ist es so, dass ein wirklich dominanter Mensch einen Devoten nie ganz verstehen kann, denn die Bedürfnisse des Devoten sind für ihn so fremd. Er muss jedoch unbedingt versuchen, diese nachzuvollziehen, denn der Top ist für das Wohl aller Beteiligten verantwortlich. Es ist seine Aufgabe dafür zu sorgen, dass alle auf ihre Kosten kommen, dass die Bedürfnisse aller befriedigt werden. Dis ist zu einem grossen Teil eigentlich nicht sehr schwer, da die Bedürfnisse beider Seiten sich absolut ergänzen. Somit befriedigt jeder durch das Ausleben seiner Vorlieben die Bedürfnisse des anderen. Dies gilt sowohl für den Master wie auch für den Slave.

SM der auf Vertrauen basiert, im Idealfall in der SM-Beziehung, ist wohl eine der tiefstgehensten zwischenmenschlichen Beziehungen die überhaupt existieren. Es ist nicht die klassische Liebe, doch wenn man Liebe als emotionales Zugehörigkeitsgefühl sieht, so ist der SM eine Extremform dieser Liebe. Es gibt wenige Liebesbeweise die das sich jemandem voll und ganz Ausliefern und auf der anderen Seite das für jemanden die Verantwortung zu übernehmen übertreffen.

Neben dem Vertrauen basiert SM auf gegenseitigem Respekt und Hochachtung. Ja, auch ein Master muss dies vor seinem Slave haben, auch wenn er ihm oft Gegenteiliges zeigt. Der Slave muss jedoch darauf bauen können, dass der Master dies trotzdem tief in sich drin trägt. Erst wenn mit der Sicherheit, dass der Master das Wohl des Sklaven über das seinige stellt, kann sich der Sklave richtig gehen lassen und wird auch absolut darum bemüht sein, alles in seinen Kräften stehende beizutragen, dass es dem Master gut geht.

Ich wurde schon oft gefragt, was mich an der Dominanz reizt, was mir daran die Befriedigung gibt. Eine Antwort darauf zu finden war alles andere als einfach, da dieses Bedürfnis sich auf einer extremst emotionalen Ebene abspielt. Nach langem überlegen kam ich auf eine Antwort, die wohl alles andere als vollständig ist, aber doch mal eine der Hauptmotivationen ausformuliert. Es ist befriedigend, jemandem durch das Ausleben seiner eigenen Art, die Befriedigung seines Bedürfnisses zu schenken. Es ist eine Art Dienst am Sklaven. Ich habe genügend Sicherheit, Geborgenheit, Wärme zu schenken, welche er sucht. Ich liebe es Härte, Führung, Erniedrigung, Versautheit, Konsequenz zu bieten, welche er braucht. Durch das Ausleben meiner Art kann ich bei diesem speziellen Gegenüber, einem Devoten, das bieten, was seie Bedürfnisse befriedigt. Als Master diene ich meinem Sklaven genauso, wie er mir dient.

Mit dieser Definition meines Lustgewinns am SM hab ich somit ausgeschlossen, dass es mir um die Macht geh, denn von dieser habe ich im Alltag schon genügend. Diese sollte nie Motivator für den SM sein. Ich selbst liebe die Verantwortung, bin förmlich süchtig danach. Natürlich ist es so, dass wer die Verantwortung trägt, die Kompetenzen hat und somit die Macht hat. Ich lebe gerade im beruflichen nach dem Motto: „Wer der Chef ist, muss nicht den Boss spielen! Er muss jedoch gerade in Momenten unpopulärer Entscheidungen sich als den Chef beweisen“

Wie wirkt sich diese Einstellung auf die Art, wie ich den SM lebe aus? Ich bin kein Brüllermaster. Meist ist es doch so, dass wer brüllt, unrecht hat. Natürlich kann ich auch pointiert lauter werden, dann weiss aber mein Slave auch, dass jetzt sich zu widersetzen wohl das dümmste ist, dass er machen kann. Auch in meinem Umgangston mit dem Sklaven gibt es die verbale Erniedrigung, doch meist ist mein Ton sehr ruhig und auf eine Art auch sehr Anständig. Ich kann ohne dass mir ein Zacken aus der Krone fällt dem Sklaven auch „bitte“ sagen, so lange ich weiss, dass der Sklave weiss, dass dies jetzt keine Bitte sondern eine schön getarnte Anweisung ist. Gerade diese Art ermöglicht es einem, den SM auch ausser Haus unter Menschen, die von der speziellen Art unseres Verhältnis nichts wissen müssen, zu leben. Zugegeben, es gibt Situationen, bei denen auch die öffentliche Erniedrigung seinen Reiz hat, aber die muss ja nicht allgegenwärtig sein. Wird sie zur Regel verfehlt sie ihre Wirkung. Es ist wie immer Aufgabe des Masters mit den verschiedenen Werkzeugen, die er zur Verfügung hat, gekonnt und situativ richtig umzugehen.

Dies sind mal erste schriftlich niedergefasste Gedanken zu diesem Thema. Ich könnte noch stundenlang darüber philosophieren. Somit kann man sicher mit Fortsetzung rechnen. Natürlich freue ich mich auch über Feedback zu meiner Einstellung, von der ich nie behaupten würde, dass es die objektiv richtige ist, aber für mich stimmt sie zur Zeit. Und ist dies nicht das wichtigste?

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