Bevor wir tiefer eintauchen, ein kurzer Realitätscheck: Wichsfantasien sind der ehrlichste Spiegel deiner selbst. Wenn wir allein sind und unseren Gedanken freien Lauf lassen, müssen wir auf niemanden Rücksicht nehmen. Es gibt keine Masken, keine Kompromisse – nur die eigenen Bedürfnisse und die pure Geilheit. Deshalb ist das, was dich in deinen intimsten Momenten erregt, kein ‚Schmutz‘, sondern eine wertvolle Information über deine wahre Software.
Lass uns diese Informationen nutzen und die Gefühle dahinter betrachten – und gleichzeitig die Vorurteile eliminieren, die dich vielleicht noch bremsen. BDSM ist wie ein riesiges Mischpult mit unzähligen Reglern. Jeder hat seine eigenen Vorlieben und somit seine ganz individuelle Einstellung. Die Palette ist riesig, aber ich denke, die wichtigsten fünf Regler sollten wir hier einmal genauer unter die Lupe nehmen.
Ausgeliefert sein / Kontrollverlust
Aus Erfahrung kann ich sagen: Die meisten Subs lieben Entscheidungen nicht wirklich. Im Alltag schwimmen sie gerne mit dem Strom – außer ihnen passt etwas wirklich nicht. Schaut euch einfach mal um: Ein ‚Alpha‘ zu sein bedeutet, permanent zu entscheiden. Und wer entscheidet, trägt die Last: Pros und Cons abwägen, Verantwortung tragen, niemanden verletzen. Deshalb ist es im Dungeon verdammt gemütlich, sich einfach mal führen zu lassen.
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Vorurteil: Wer sich unterwirft, ist auch im Leben ein Verlierer oder ein Mitläufer ohne Rückgrat.Â
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Die Realität: Absoluter Quatsch. Ich kenne genug Beispiele von extrem erfolgreichen Männern, die sich im Dungeon liebend gerne ausliefern und hart drangenommen werden wollen. Das ist kein Mythos der Filmindustrie, das ist meine tägliche Realität.
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Vorurteil: Ein echter Mann hat immer die Zügel in der Hand. Wer sie abgibt, verliert seine Eier.Â
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Die Realität: Das Sich hinzugeben ist keine Flucht, sondern eine bewusste, starke Entscheidung. Man liefert sich ja nicht blind aus, wenn man was in der Birne hat. Es ist Urlaub für die Psyche. Durch die Führung und die Sicherheit, die du bei deinem Master findest, kannst du den Job, die Probleme und den Stress für eine Zeit komplett vergessen.
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Solche Vorurteile gibt es zuhauf – geäußert von Leuten, die das Ganze nicht verstehen. Ihnen ist es unheimlich, dass jemand die innere Stärke besitzt, freiwillig auf Selbstbestimmung zu verzichten und ein so tiefes Vertrauen zu schenken.
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Das Benutzt-werden / Objektifizierung
Dies ist eng verwandt mit dem Ausgeliefertsein, geht durch die Action aber noch einen Schritt weiter. Auch hier fällt die Entscheidungsgewalt und der tägliche Zwang zu funktionieren weg. Doch es geht noch tiefer: Es befreit dich von der ständigen Selbstkontrolle – von Fragen wie: „Mag ich das jetzt? Will ich das gerade so?“
Und du musst dich auch wiederum nicht fragen, ob der andere das jetzt so will oder mag. Man wird zum Toy des anderen und stellt sich ganz in dessen Dienst. Du bist der Lust deines Masters bedingungslos ausgeliefert und geilst dich an seiner Geilheit auf, die deine eigene Lust wie ein Brandbeschleuniger befeuert.
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Vorurteil: Wer sich benutzen lässt, wird ausgebeutet. Das ist eine Einbahnstraße, bei der nur einer (der Master) Spaß hat.
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Die Realität: Das ist ein ganz heftiges Vorurteil, dem ich vehement widerspreche. Konsens ist die unabdingbare Bedingung für guten BDSM. Ein Sub gibt sich freiwillig hin, weil er dem Master vertraut, dass dieser ihn im Rahmen der besprochenen Limits nicht kaputt macht. Deswegen sprechen wir im BDSM immer von Gebrauch und nicht von Missbrauch, von Benutzung und nicht von Ausnutzung. Dies ist die erste Stufe des CNC (Consensual Non-Consent): Man willigt ein, sich zum freien Gebrauch auszuliefern, damit eben nicht mehr gefragt werden muss, ob das jetzt gut ist. Das ist genau das, was der Sub will und was ihm Spaß macht.
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Vorurteil: Nur Menschen ohne eigene Meinung oder ohne Charakter und Selbstwert finden es gut, wie ein Ding behandelt zu werden. Man ist dann nur noch Müll, den man nach Gebrauch beiseite schiebt.
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Die Realität: In meinen Augen braucht es gerade sehr viel Charakter und Selbstsicherheit, um sich jemandem so hinzugeben. Auch wenn man im Spiel vermittelt bekommt, man sei wertlos oder ein Ding: Es ist eine Selbstbestätigung, dass man lebt, was man fühlt. Für den Master bist du überhaupt nicht wertlos, sondern ein sehr kostbarer Mitspieler – denn beide brauchen den anderen, um sich selbst zu spüren. Und dass man am Schluss „beiseite geschoben“ wird, stimmt nicht. Gerade die Aftercare ist wichtig und intensiv. Nach einer harten Session entsteht dadurch oft eine sehr enge, ehrliche Bindung.
Erniedrigung
“Once your reputation is ruined, you can live quite freely.” Jeder kennt dieses Sprichwort und ja, es ist wahr – und nirgends zeigt es sich so deutlich wie im BDSM.
Dirty Talk macht viele geil. Wenn wir von der Ehrlichkeit der Fantasie sprechen, ist die Erniedrigung oft der ehrlichste Teil. Warum triggert es dich so, klein gemacht zu werden? Nicht, weil du wertlos bist, sondern weil die totale Demütigung die letzte Schicht deines Schutzes wegätzt. Es ist ein Spiel mit der nackten Scham, das dich paradoxerweise unverwundbar macht. Wenn du vor deinem Master auf den Knien bist und die schlimmsten Worte über dich hörst, bricht deine bürgerliche Fassade zusammen – und darunter kommt eine animalische, reine Lust zum Vorschein.
Durch die Erniedrigung wirst du reduziert auf dieses funktionierende Wesen, auf die „Sau“, die du in dir fühlst. Auch wenn es dich vielleicht in deiner Ehre trifft, ist es ein befreiendes Gefühl, ganz unten zu sein. Dabei ist Erniedrigung individuell: Für den einen ist Füsse lecken eine Erniedrigung, für den anderen pure Lust. Für den einen ist es erniedrigend sich nackt vor anderen zu zeigen, für den Exhibitionisten ist dies eine wahre Freude. Was anfangs als erniedrigend empfunden wird, kann rasch zu einer neuen, befreienden Normalität werden.
Vorurteil: Das ist kein Sex, das ist Hass. Wer jemanden beschimpft oder erniedrigt, kann ihn nicht gleichzeitig wertschätzen. Â
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Die Realität: Ich könnte nie jemanden erniedrigen, von dem ich nicht ein sehr gutes Bild habe und den ich sehr mag. Auch hier geht es wieder um die Motivation dahinter. Ich mache das, weil ich weiss dass mein Boy das will und braucht. Das spüren udn wissen meine Slaves. Ohne dieses Wissen würden die Worte und Taten auch nicht die kink Wirkung haben.Â
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Vorurteil: Wer sich erniedrigen lässt, hat kein Rückgrat und keine Ehre.Â
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Die Realität: In Wahrheit braucht es ein extrem stabiles Ego, um seinen Stolz im Spiel bewusst zertrümmern zu lassen. Wer im Dungeon „Dreck“ war und gemerkt hat, dass er das überlebt und sogar genießt, der trainiert eigentlich auch sein Selbstbewusstsein ausserhalb des Spiels. Man wird irgendwie unverwundbar.Â
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